Euro in der Krise – Kreta-Urlaub billig
Seit Monaten treten die Finanzmärkte wieder auf der Stelle, obwohl eigentlich alle Meldungen aus der Wirtschaft rosige Aussichten verheißen. Ja gut, nach der wirtschaftlichen Vollbremsung Ende 2008 ist jeder Umsatz natürlich Wachstum. Aber auch gemessen an Ergebnissen der Jahre 2006 und 2007 (nur zur Erinnerung: Boomzeiten) sind viele Unternehmen auf einem guten Weg.Aber derzeit überschatten andere Ereignisse den Kapitalmarkt: die griechische Tragödie und der Verfall des Euro.
Beides bewegt Gemüter und Märkte. Bei beiden ist der Unterschied zwischen Realität und Wahrnehmung aktuell sehr interessant.
Griechenland ist Euroland! Und Griechenland ist ein Staatswesen, was jahrzehntelang über seine Verhältnisse lebte. Wie auch in anderen Demokratien fand eine stetige Vermögensverteilung zu lasten der öffentlichen Haushalte zugunsten der privaten Vermögen statt. Dass diese Entwicklung aufgrund billiger Euro-Finanzierungen in den vergangenen Jahren eine Beschleunigung erfuhr, ändert nur die Dimension, nicht aber den Mechanismus.
Jetzt fühlt sich scheinbar Europa gezwungen, Griechenland und auch den Euro zu retten. Erstens retten wir nicht Griechenland, sondern wieder unsere privaten Ersparnisse in unseren Banken. Erst deutsche Sparsamkeit und Export unserer Produkte hat griechischen Konsum und solch eine griechische Verschuldung ermöglicht. Unser Schaden bei einer Zahlungsunfähigkeit unseres Schuldners wäre unermesslich. Getreu der alten Weisheit: „Schuldest du der Bank 100 Euro, hast du ein Problem. Schuldest du der Bank 100 Millionen Euro, hat die Bank ein Problem“.
Zweitens wird das Geschäftsmodell Griechenland künftig nicht „einfach so weiter“ funktionieren. Aber wie immer in der Geschichte muss erst ein Versuch fehlschlagen, bevor man über bessere nachdenkt. Für unsere Währung ist diese Krise überlebenswichtig. Ohne Veränderungen in der Haushaltspolitik und –kontrolle ist und bleibt der Euro anfällig. Theoretisch weiß man das längst, aber erst jetzt ist der Druck stark genug für eine nachhaltige Umsetzung. Aber noch tun sich die europäischen Regierungen mit starken Veränderungen schwer. Man gewinnt keine Wähler mit stagnierenden Renten, höheren Steuern und geringeren Subventionen. Aber hat man eine Wahl?
Der Euro ist in der Krise, sagt man. Wie schön, sagt unsere exportgetriebene Industrie. Der schwache Euro ist immer noch erstaunlich viel wert. Auch dieses Phänomen kann mit obiger Weisheit schnell erläutern. Ein wertloser Euro nutzt genau so wenig wie ein wertloser Dollar, Yen,… . Allen Beteiligten (Exporteure, Importeure, Schuldner, Gläubiger, Konsumenten, Arbeitnehmer, Fiskus,…) ist an einer weitgehenden Balance gelegen. Was nützt es beispielsweise dem Chinesen, wertloses Papier für echte Produkte zu bekommen oder mit wertlosem Papier notwendige Rohstoffe nicht kaufen zu können. Der Euro hat in den letzten Wochen einen Teil seiner Bewertung eingebüßt, aber er ist keine Lira oder Drachme.
Also keine Panikreaktionen aufgrund der aktuellen Meldungslage: Man muss nicht unbedingt zu Allzeithochkursen Gold kaufen, schon gar nicht von den vielen Strukturvertrieben, die diese alte deutsche Angst wiederentdeckt haben. Aktien von europäischen Exporteuren wird es künftig besser gehen, also kann man an der Euro-Schwäche sogar verdienen. Und Griechenland-Urlaub wird billig. Durch die Verunsicherung purzeln die Preise. Viel Spaß auf Kreta!