Chef wird man nicht, Chef ist man.
Der Unternehmer als Führungskraft
Dieser Artikel ist etwas länger. Wir wollten jedoch der Thematik etwas mehr Raum geben und so entspricht der Beitrag nicht den Lesegewohnheiten in einem Blog. Daher stellen wir ihn am Textende separat zum Download bereit sowie als Audio-Stream zum Anhören.
„Ich bin der Chef. Soweit stimmt die Welt. Doch wie oft habe ich das Gefühl, dass meine Mitarbeiter das vergessen, obwohl es sogar draußen auf dem Türschild steht.“
Vielleicht kennen Sie diesen oder ähnliche Gedanken. Und fragen sich, warum es nicht so rund läuft in der zwischenmenschlichen Kommunikation Ihres Unternehmens. „Undankbares Volk“, ist eventuell einer der Trostgedanken, den Sie für sich finden wenn Sie mal wieder glauben, „sich den Hintern für alle aufgerissen zu haben“, aber niemand ihr Engagement gebührend würdigt.
Da gibt es die Sekretärin, die „die Geschäfte in der Hand hält und die ich gern mehr in die Schranken weisen möchte“ oder die Arbeitsgruppe, „von der ich nie die Ergebnisse so bekomme, wie ich es mir vorgestellt habe“. Viele Unternehmer haben Hemmungen, klare, konkrete und unmissverständliche Anweisungen zu geben. Es spielen u.a. Befürchtungen eine Rolle, die Mitarbeiter in ihrer kreativen Freiheit durch zu klare Weisungen einschränken zu können. Controlling ist für viele irgendwie wichtig, aber sie glauben, zu strenges könnte einschüchtern.
Was klar im Kopf existiert, empfängt der Mitarbeiter am Ende als Bitte formulierter Wunsch. Was der Unternehmer so dringend für die Erledigung seiner Geschäftsaufgaben benötigt, kommt wieder nicht so, wie er dachte, es vorgegeben zu haben. Im Endergebnis sitzt er wieder selbst am Schreibtisch, um die Defizite aus zu gleichen. Es kostet Zeit, die er dringend für andere Aufgaben verwenden wollte.
Natürlich ist es der einfache und zuerst logisch erscheinende Weg, die Ursachen für derartige und andere Situationen, die den Unternehmer in keinster Weis zufrieden stellen, beim Mitarbeiter zu suchen. Selbstverständlich geben sich bewusste Unternehmer nicht wirklich mit dem Ergebnis dieser Ursachenforschung zufrieden, dass die Schuld bei seinen Angestellten läge. Eher bleiben Fragen offen wie zum Beispiel: Wie ändere ich meinen Führungsstil, ohne mich selbst zu verbiegen? Wie schaffe ich es, meinen Anspruch an Arbeitsergebnisse erfüllt zu bekommen, dabei den Mitarbeiter in seine Verantwortung zu nehmen, ohne ihn dabei zu bevormunden? Wie kann ich meine Mitarbeiter mehr begeistern, sie motivieren und bei ihnen einen Stolz auszuprägen, Teil meines Unternehmens zu sein?
Betrachten wir die Situationen unter dem ersten Grundsatz der Führungskraft „Was kann ICH ändern, um die Situation zu ändern?“, sind wir schnell an dem Punkt der Arbeit des Unternehmers als Geschäftsführer, als Führer seines Geschäftes, angekommen.
Die Basis einer jeden Führung ist eine klare Vision mit klar zeitlich festgesetzten Zielen. Die Aufgabe des Unternehmers ist es in seiner Führungsarbeit, seine Angestellten in seine Vision einzubinden, optimaler Weise seine eigene Vision auch zur Vision seiner Belegschaft zu machen.
Dabei sehen wir zwei wesentliche Elemente:
Es geht einmal um die Fähigkeit, sich selbst zu führen. Sich immer wieder selbst zu motivieren ist ein Prozess, der für jeden Unternehmer ständiger Begleiter bleibt. Die Beherrschung seines eigenen Zeitmanagements bildet die Grundlage, Prozesse im Fluss zu behalten. Dabei setzt er auf die Einhaltung von Prioritäten. Trotz aller Planung, Stress wird es immer geben. Nur jeder Unternehmer muss in der Lage sein, Stresssituationen zu beherrschen sowie zwischen negativem und positivem Stress zu differenzieren. Hat der Unternehmer klare innere Strukturen, wird auch sein Unternehmen in klaren Strukturen arbeiten.
Sprechen wir über die eigene Führung, sehen wir hier die Verbindung zu allen Lebensbereichen des Unternehmers. Es geht also auch um die Erhaltung und Förderung der eigenen Gesundheit, um eine angepasste Ernährung, um Bewegung, um die harmonische Balance von Körper und Seele. Bewusst muss jeder Unternehmer vor allem seine privaten Verhältnisse in seine eigene Führung mit einbeziehen. Denn eins ist uns allen klar: Hängt der Haussegen schief, geht es uns auch auf Arbeit nicht gut. Und selbst das spüren die Mitarbeiter. Es wirkt sich auf die Führungsarbeit aus.
Das andere Element leitet sich zwangsläufig ab. Es geht um die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit. Ja, wir sprechen von der weiteren Ausprägung ihrer eignen Persönlichkeit und nicht vom Beherrschen vorgefertigter Führungsstile. Bewusste Unternehmer haben Erfolg, wenn sie authentisch, sich ihrer selbst völlig bewusst sind und selbstbewusst handeln. Er sieht nicht nur sich, sondern besitzt Empathie, ist mitfühlend. Nicht alles lässt sich von Zahlen und Fakten ableiten, schon gar nicht bei der Führung von Menschen. Es geht um die Verbindung von Intuition mit einer hohen fachlichen Kompetenz. Das Erzielen klarer Visionen und Zielstellungen erfordert klare Ansagen und Entscheidungen. Der bewusste Unternehmer stellt sich Konflikten und bleibt dabei er selbst.
In der Einheit beider Elemente prägt jeder Unternehmer letztendlich seinen eigenen Führungsstil aus. Dieser ist so individuell, wie er selbst. Es geht ihm nicht um das Kopieren erfolgreicher Führungsstile. Eher handelt er nach Führungsprinzipien, um seine und die Vision des Unternehmens zu erreichen. Beim erfolgreichen Führen geht es um ein Miteinander, wie um das Führen eines Bootes, in dem jeder seinen Platz hat. Und jeder, ob erste, zweite Führungsebene oder Mitarbeiter, muss sich seiner Aufgabe auf seinem Platz bewusst sein, sich als Teil des Ganzen verstehen und seinen zugeteilten Aufgaben gerecht werden. Wenn wie im Boot auch im Unternehmen alle im gleichen Takt rudern, sich alle in die Riemen legen und der Kurs klar ist, steuert die gesamte Crew dem Erfolg entgegen.
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