Wolf sein ist gar nicht so schlecht.
Inspiriert von einem Besuch des Wolfgeheges im Wildpark Schorfheide entdeckte ich für mich faszinierende Parallelen des Rudellebens mit dem Alltag im Unternehmen. Führung, Hierarchie, Mitgefühl, Verantwortungsbewusstsein, Ruhe und Gelassenheit – die Liste der Verknüpfungspunkte zwischen beiden Leben könnte lang fortgesetzt werden.Wölfe leben in Gemeinschaft, allein laufende gibt es eher weniger. Das Zusammenleben des „wilden Haushundes“ ist im Rudel wohl strukturiert. Es gibt eine ausgeprägte Rangordnung. Interessantes ergab meine Recherche zur unterschiedlichen Lebensform in freier Natur und in Gefangenschaft.
Das Zusammensein in der Wildnis gestaltet sich wie von allein. Das Rudel besteht in der Regel nur aus Familienmitgliedern. Das heißt, das Elternpaar pflegt die Nachkommen zwei Jahre lang, bis zu ihrer Geschlechtsreife. Im Folgejahr kümmern sich die Jungtiere mit um die neuen Geschwister, die es einmal im Jahr gibt. Mit Erreichen der Geschlechtsreife verlassen die jungen Wölfe das Rudel und suchen sich ein eigenes Revier. Ein Kreuzen mit Familienmitgliedern ist instinktiv ausgeschlossen.
Ganz anders wird das Zusammenleben, wenn ein Rudel nicht auf natürliche Art und Weise zusammen gefunden hat. Diese Gemeinschaft projiziert andere, neue Verhaltensweisen der Wölfe untereinander und beginnt mit der Bestimmung der Rangordnung, der Hierarchie. Das stärkste Tier erkämpft sich die Rolle des Alpha-Tieres. Die Aufgabe des Leittieres ist es, für das Wohl und Überleben seines Rudels zu sorgen. Der Alpha-Wolf ist keine scheinautoritäre Machtfigur, er ist stark, hält die Fäden in der Hand und kümmert sich um seine Rudelmitglieder. Seiner Arbeit für das Wohlergehen aller wird Respekt und Anerkennung entgegen gebracht. Voraussetzung dafür ist, dass das Alpha-Tier selbstbewusst ist, Erfolgswillen besitzt, sich nicht vor Konflikten scheut, dabei selbst mit Leistungsstärke glänzt. Das bringt die manchmal bittere Konsequenz mit sich, dass der Leitwolf hin und wieder allein ist. Doch da muss er durch, gestärkt von der Überzeugung, dass Wölfe Teamplayer sind! Unterstützt von seinen natürlichen Instinkten muss es so nicht um Autorität kämpfen, der Alpha-Wolf besitzt sie einfach. Dabei vergisst er nicht: Es kann nur einen an der Spitze geben!
Das Leittier wird mit Respekt behandelt und zollt gleichen seinem Rudel. Es sieht seine Alpha-Rolle nicht als Befriedigung von Gier nach Macht sondern ist allein bestrebt, das soziale Gefüge zu erhalten und zu gestalten. Leitwölfe sehen sich also nicht in Verantwortung für sich selbst, in der Erfüllung des Rechtes des Stärkeren. Ihre Rolle der Führung dient allein der Stabilität des Rudels. Leitwolf oder Leitwölfin sind äußerst fürsorglich und haben eine große Vorbildfunktion für die Jüngeren. Nicht Aggressivität, Machtgehabe oder Druck führen zum Erfolg, sondern die Ausstrahlung von Ruhe und Gelassenheit. Sein Alltag wird bestimmt von der Sorge um sein Rudel.
Auch die Betrachtung der Körpersprache finde ich erwähnenswert. Das Leittier geht aufrecht mit erhobenem Kopf und strahlt seinen Rang aus. Es schart das Rudel um sich, sucht die Kommunikation und baut so ein starkes Netzwerk auf. Denn für Stabilität sind vor allem Gebärden, Rituale und Fürsorge wichtig.
In der Gemeinschaft der Wölfe weiß jedes Tier so ganz genau, wo es steht. Selbst das letzte Tier in der Hackordnung, der Omega-Rolle, weiß um seinen Platz. Die meist ergraute Eminenz ist schwächer geworden und hat seinen Anteil für die Entwicklung des Rudels bereits geleistet. Auch das wird (meist) respektiert. Bei einem guten Alpha-Wolf wird es nicht ausgestoßen sondern bleibt integriertes Mitglied, das weiterhin von der Fürsorge seines Chefs profitieren darf.
Für mich alles Faszinierendes, von dem wir profitieren können.
Lernen von der Natur, lernen von Tieren – wir haben uns dieses Thema zu Eigen gemacht und selbst eine Eseltour durch die schöne Uckermark in Brandenburg erlebt. Und waren so inspiriert, dass wir Eseltouren im Coaching anbieten – in der Gruppe oder allein nur mit Coach.